
Tauchgänge
By Katholische Akademie in Berlin e. V.
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Franziska Pierwoss: Leute zum Essen zusammenbringen
Es sieht aus wie ein festliches Abendessen. Das ist es auch, aber nicht nur. Für die wenigen Stunden des gemeinsamen Essens hat die Performance-Künstlerin Franziska Pierwoss bis zu einem Jahr gearbeitet. Sie glaubt: Nur wenn Menschen wirklich persönlich miteinander zu einem Thema in Austausch kommen, kann sich etwas bewegen. Frohe Ostern!

Christoph Karlson: Ein seltsamer Gesang in der Christnacht
„Martyrologium“ heißt der Gesang, der vor der Christmette in der dunklen Kirche gesungen wird. Aber der Name ist irreführend. Denn um Märtyrer geht es darin überhaupt nicht. Vielmehr führt eine Stimme durch die Zeiten – von der Entstehung der Welt bis zur Geburt Jesu. Von Kindesbeinen an begann auch für Christoph Karlson das Christfest mit diesem Gesang. Und die Erkenntnis: Es ist wahrhaft geschehen. Frohe Weihnachten!

Myriam Wijlens: Zuhören als Schlüssel
Ihr Arbeitsfeld ist die Weltkirche: Myriam Wijlens. Sie arbeitet in einer Fülle von Gremien, in denen sich einfache Gläubige genauso wie Kardinäle darüber verständigen, wie der katholische Glaube auf der Welt konkret gelebt wird. Dass diese unterschiedlichen Gesichter des Christentums eine Gemeinschaft bilden, sie jeweils zur Geltung kommen und wie sie sich gegenseitig bereichern können, ist immer wieder herausfordernd und beglückend. Das Geheimnis dahinter? Myriam Wijlens antwortet gut gelaunt: Zuhören. Fragen, ob man richtig verstanden hat. Und nicht zu urteilen.

Hille Haker: Erinnerung ist eine Katze
Die „Jahrestage“ von Uwe Johnson waren eine umwerfende Lektüreerfahrung für Hille Haker, Professorin für Ethik in den USA. Erinnern und Vergessen ist notwendig. Genauso, wie die Erinnerung lebbar zu machen – wie eine Katze springt sie einen an und kommt nicht unbedingt, wenn man nach ihr ruft.
Erinnerung kann es nicht geben ohne Vergessen. Aber vielleicht ist ja auch das Umgekehrte richtig: dass es Vergessen nicht ohne Erinnern gibt. Vergessen ist etwas anderes als das aktive Verschweigen, bei dem etwas nichtzur Sprache gebracht wird. Zwischen diesen Polen bewegt sich unser Tauchgang.

Jakob Deibl: Die drei ???
Als 1979 die erste Folge der Hörspielserie Die drei ??? mit den Detektiven Justus, Peter und Bob veröffentlicht wurde, war unser Gast gerade geboren und die Mauer stand noch. Die Mauer fiel, und Jakob Deibl wurde Benediktinermönch, Philosoph und Theologe. Als er die drei Detektive und ihre Kriminalfälle mit 44 Jahren wieder entdeckt, sind diese nicht gealtert – und noch immer spannend und witzig. Gemeinsam tauchen wir in die Welt der ???.

Isabella Bruckner: Etty Hillesum und ihr intensives Leben in unmenschlicher Zeit
Etty Hillesum, 27 Jahre jung, jüdisch, Studentin und beseelt von dem Wunsch, Dichterin zu werden, beginnt im Jahr 1941 in Amsterdam ihr Tagebuch. Es gibt Zeugnis von einer unkonventionellen und sinnlichen Frau, die mit radikal ehrlichem Blick auf sich selbst auf der Suche nach Gott ist. 84 Jahre später nimmt ihr Tagebuch uns beim Lesen den Atem. Denn Etty Hillesum kämpft darum, die Schönheit der Welt in einer schrecklichen Zeit wahrzunehmen – und auf poetische Weise mit allen zu teilen. Isabella Bruckner berichtet uns von ihrer Entdeckung dieses lyrischen Tagebuchs.

Claudia Paganini: Die Bringschuld der Wissenschaft
Als einer ihrer Studierenden als Mitglied der „Letzten Generation“ für 15 Tage in Präventionsgewahrsam kommt, wird Claudia Paganini aktiv: Die Professorin für Medienethik, Theologin, Philosophin und Kommunalpolitikerin beschreibt ihren persönlichen „Kipppunkt“ aus der Resignation. Seither fordert sie in einer Petition von ihren wissenschaftlichen Kolleg:innen, nicht in der Loge sitzen zu bleiben, sondern aktiv zu werden, die Stimme zu erheben – und das Engagement der jungen Menschen zu unterstützen.

Margareta Gruber: Der gebärende Christus
Achtung, Nerd-Content! Margareta Gruber ist Forscherin, ihr Spezialgebiet ist das Evangelium nach Johannes. Ihre jahrzehntelange Arbeit führte sie zu einer erstaunlichen Entdeckung: Der Tod Jesu am Kreuz lässt sich wie eine Geburt lesen. Sie nimmt uns mit auf einen unwiderstehlichen Ritt durch ihre komplexe und aufregende Lesart des Johannesevangeliums…
Nächster Live-Tauchgang am 19. März 2025 um 20 Uhr im Club der polnischen Versager, Berlin.

Ute Leimgruber: Mit Theologie die Welt retten?
Als Achtjährige durfte sie keine Ministrantin werden – heute ist sie Professorin für Predigtlehre und forscht zu Missbrauch an erwachsenen Frauen in der katholischen Kirche. „Meine Muttersprache ist katholisch“, sagt sie – und deswegen kann sie übersetzen und aufdecken, was für Muster es sind, die Missbrauch in der Kirche begünstigen. Ihre Überzeugung ist: Das, was passiert ist, darf nicht ungesagt bleiben.
Die im Gespräch erwähnte Homepage lautet: Missbrauchsmuster.de; das erwähnte Buch heißt „Erzählen als Widerstand“ – ebenso wie das Gespräch im Hörraum der Akademie.

Johanna Haberer - Befiehl du deine Wege
November 2024 in Berlin Mitte, der Club der polnischen Versager ist proppenvoll. Johanna Haberer, ehemalige Theologieprofessorin und Podcasterin, hat einen Schatz mitgebracht: zwei Lieder von Paul Gerhardt, vertont von Johann Sebastian Bach. Gerhardt schrieb sie vor fast 400 Jahren. Ihre Innigkeit und Leichtigkeit berührt, tröstet und stärkt bis heute - auch an einem trüben Novemberabend im 21. Jahrhundert in Berlin.

John von Düffel und Mirja Kutzer: Haben Sie schon mal versucht, die Wahrheit zu erzählen?
„Ich wollte auch so was wie die Bibel schreiben“, sagte John von Düffel, nachdem ihm in der Grundschule zum ersten Mal daraus vorgelesen wird: Eine meisterhafte Erzählung, die den Menschen erlaubt, sich selbst als Teil einer großen Geschichte zu sehen - die man erfinden müsste, wenn es sie nicht schon gäbe, ergänzt Mirja Kutzer. Mirja Kutzer und John von Düffel im Gespräch mit Katrin Visse und Peter Gößwein, aufgenommen zum zehnjährigen Jubiläum der Tauchgänge im Mariengarten der Katholischen Akademie in Berlin.

Thomas Lucker: Ein religiöser Atheist
„Du bist der religiöseste Atheist, den ich kenne“, sagt seine Frau über den Künstler Thomas Lucker. Bei seiner Arbeit kommen immer wieder religiöse Themen auf ihn zu: die Figur des segnenden Christus, das Relief einer Prozession und ein Auferstehungsbild, nämlich „Levitation im neuen Berlin“. Er erzählt uns von seinen Begegnungen, Auseinandersetzungen und Erkenntnissen beim Schaffen dieser Werke und davon, immer wieder an der Grenze zwischen Glauben oder Unglauben unterwegs zu sein.

Pete William Meyer und Dirk Harms: Ungleiche Brüder
In einer Haftanstalt begegnen sie sich: Pete William Meyer als Insasse und Dirk Harms als sein Gefängnisseelsorger. Sie teilen dort, was man in einem Gefängnis nicht erwarten würde: Ästhetik, künstlerisches Schaffen und Spiritualität.
Aufgenommen am 28.11.2023 im Club der polnischen Versager, Berlin.

Elmar Salmann: (3) Ein Spaziergang im Garten der Liebe
Folge 3: Im Garten der Liebe wächst allerlei: Das Begehren und die Gewohnheit, die Menschenliebe und die Gottesliebe, die Eifersucht und der Liebeskummer. Auch im dritten (und letzten Teil) hat Pater Elmar Salmann uns durch diesen Garten geführt und uns Staunen lassen vor kleinen Pflänzchen der Zugewandtheit und der Zärtlichkeit, dem Mammutbaum der Ehe und den Früchten des Eros.

Elmar Salmann: (2) Ein Spaziergang im Garte der Liebe
Folge 2: Im Garten der Liebe wächst allerlei: Das Begehren und die Gewohnheit, die Menschenliebe und die Gottesliebe, die Eifersucht und der Liebeskummer. Pater Elmar Salmann hat uns im zweiten Teil des Gesprächs weiter durch diesen Garten geführt und uns Staunen lassen vor kleinen Pflänzchen der Zugewandtheit und der Zärtlichkeit, dem Mammutbaum der Ehe und den Früchten des Eros.

Elmar Salmann: (1) Ein Spaziergang im Garten der Liebe
Im Garten der Liebe wächst allerlei: Das Begehren und die Gewohnheit, die Menschenliebe und die Gottesliebe, die Eifersucht und der Liebeskummer. Pater Elmar Salmann hat uns durch diesen Garten geführt und uns Staunen lassen vor kleinen Pflänzchen der Zugewandtheit und der Zärtlichkeit, dem Mammutbaum der Ehe und den Früchten des Eros.

Christine Büchner: Das fließende Licht
Marguerite Porete und Mechthild von Magdeburg haben im Mittelalter gelebt und aufregende theologische Schriften verfasst. Sie waren Beginen, keine Nonnen, und lebten in selbstbestimmten religiösen Gemeinschaften. Sorgsam erzählt uns die Theologin Christine Büchner von den beiden eigenwilligen Frauen und vom Glühen, das sie erfasst und ins Schreiben gebracht hat – und was und wie so wunderbare Texte entstanden ist.

Milad Karimi: Das Fällige, was ihm zufiel
Am Flughafen von Moskau liegt ein kleiner Koran unter einer Sitzbank. Darauf sitzt eine afghanische Flüchtlingsfamilie. Der 13jährige Milad findet ihn. Viele Jahre sind vergangen. Seither ist das Buch sein ständiger Begleiter. Denn es enthält, was keiner ihm nehmen kann: Poesie. Ihn fasziniert das, was zwischen den Worten liegt: nicht eindeutige Benennung, sondern Vieldeutigkeit, die staunen lässt.

Katharina Ende: Andächtig und schön
Wenn sie als 15-Jährige im Dunkeln über die Landstraße nach Hause geradelt ist, hat Katharina Ende immer gesungen – um sich im Dunkeln Mut zu machen und auch, weil es ein schöner Abend war. Die Furchtlosigkeit und die Freude am Singen sind seither ein Teil von ihr und haben sie weit geführt: in die West-Ukraine, nach Rumänien und nach Ungarn zum Theologiestudium. Als Pfarrerin fasziniert sie die Gestaltung des Gottesdienstes. „Ich habe da den Anspruch, die Liebe, dass es gut geplant, gut komponiert ist – ein Gesamtkunstwerk, davon bin ich überzeugt.“

Klaus Mertes SJ: Geistlicher Missbrauch, eine doppelte Verwechslung
In den 70er Jahren gründete Jean Vanier in Frankreich „l’Arche“, eine heute weltweite Bewegung, in der behinderte und nichtbehinderte Menschen in einer damals völlig neuen Weise als Gemeinschaft in der Nachfolge Jesu zusammenleben. Kurz nach Vaniers Tod im Jahr 2019 wurde er des geistlichen Missbrauchs an mindesten 25 Frauen überführt. Seine Handlungen, teilweise auch mit sexuellen Übergriffen, hat er dabei theologisch-mystisch begründet. Klaus Mertes SJ seziert, was geistlicher Missbrauch ist und was alles in Mitleidenschaft gezogen wird: Mystik, Glaube, Vertrauen und Sexualität.

Klaudia Höfig: Ohne Kontext ist alles nichts
Ursprünglich war Klaudia Höfig Gemeindereferentin in einer westdeutschen Kleinstadt. Dann zog sie mit ihrer Familie 1989 nach Brasilien, wo sie mit politisch-sozial engagierten Nonnen zusammen die Befreiungstheologie kennenlernte. Anschließend ging sie in den US-amerikanischen Bible Belt, wo die Katholiken die „Progressiven“ waren – und in den 90er Jahren in eine chinesische Industriestadt mit einer staatlich kontrollierten katholischen Kirche. Überall wach, interessiert und nah bei den Menschen, reift bei ihr die Erkenntnis: Ohne Kontext bleibt das Christentum oberflächlich. Und auch diese: Willst du wissen was Wasser ist, frage niemals einen Fisch.

Teresa Schweighofer: Tod, wo ist dein Stachel?
Zwar ist uns der Tod in den letzten 3 Jahren nähergekommen – aber über das Sterben und das „Danach“ reden wir nicht. Teresa Schweighofer ist Professorin für Praktische Theologie. Sie war mit Pfarrern, Seelsorgerinnen und Seelsorgern und freien Ritualbegleitern unterwegs und hat viel darüber nachgedacht, was sie selbst tröstet und dem Tod gelassener ins Auge blicken lässt: Das Requiem von Johannes Brahms…
PS: Die musikalischen Einspielungen (eben Stücke aus dem Brahms-Requiem) sind nun entfernt.

Teresa Forcades i Vila: Teresa von Ávila und ich
Als 15jährige stößt Teresa Forcades auf „Die Wohnungen der Inneren Burg“ von Teresa von Ávila. Damit beginnt für die spätere Benediktinerin, Ärztin, Theologin und Kapitalismuskritikerin aus dem Bergkloster Montserrat in Katalonien eine lebenslange Auseinandersetzung mit der eigensinnigen Dichterin, Kirchenlehrerin und Ordensfrau aus dem 16. Jahrhundert. Beide Teresas verbinden Mystik und tiefe Frömmigkeit mit pragmatischer Lebensklugheit. Im Gespräch führt uns Teresa Forcades in die Welt ihrer großen Namensvetterin, die uns heute Erstaunliches zu sagen hat.

John von Düffel: Das Wenige und das Wesentliche
John von Düffel ist Dramaturg und Schriftsteller und hat ein Stundenbuch geschrieben. Dabei ist er gar nicht gläubig. Es geht darin vor allem um die Frage: was ist genug? Als moderner Asket macht er sich darin zusammen mit Ödipus, Sisyphos und Hiob auf die Suche nach der richtigen Richtung im Falschen, nach dem Wesentlichen, das kein zu wenig ist.

Jens Petzold: Manchmal ist es gut, nicht dort anzukommen, wo man hin wollte
In Irak und Syrien, heute Orte voller Gewalt, arbeitet Pater Jens an der Versöhnung zwischen Christen und Muslimen. Sein Weg aus der Schweiz in das syrische Wüstenkloster Mar Musa war so nicht geplant, aber genau der richtige. Wie schaut er auf Europa, in das der Krieg zurückgekehrt ist?

Birgit Mattausch: Vom Wagnis, sich auszusetzen
Sich aussetzen, das tut Birgit Mattausch. Dabei stolpern und gleichzeitig schweben, dem mittleren Kanzelton ein Schnippchen schlagen und an komischen Stellen etwas dazulernen. Sie ist die einzige Theologin im Literaturhaus Hildesheim und sucht dort als Inspirateuse Töne und Worte beim Sprechen über Gott zum Klingen zu bringen.

Joachim Negel: Das Böse, die Welt – und ich
„Ich fürchte keine Kreatur außer einer: den Menschen,“ soll der Maler Franzisco de Goya (*1746) als Reaktion auf die Napoleonischen Kriege gesagt haben und Geschichte und Gegenwart geben ihm Recht. Doch blicken wir in das Antlitz eines Neugeborenen, strahlt uns die reine Hoffnung an. Was passiert nur seit diesem unschuldigen Anfang?

Kurt Appel: Cliffhanger ins Offene
Beim Osterspaziergang mit Kurt Appel begegnen uns drei Frauen auf dem Weg zu einem Toten. Die Szene endet mit entsetztem Schweigen: Der Stein ist weg, die Leiche auch und ein unbekannter junger Mann sitzt im Grab und sagt „Der, den ihr sucht, ist nicht mehr hier.“ Das Markus-Evangelium endet mit einem Cliffhanger, und mit dem Schweigen beginnt die eigentliche Geschichte, ohne dass sie je zu Ende kommen könnte. Ein Tauchgang zu Ostern.

Regina Polak: Ein Lehr- und Lernbuch der Hoffnung
Optimismus und Pessimismus sind beides Verstimmungen. Gebildete Hoffnung ist mehr als positiv denken, sagt die Praktische Theologin Regina Polak. Denn in den Erzählungen der Bibel können wir zuschauen, wie Menschen unter widrigsten Umständen hoffen und hoffen lernen. Ein Gespräch über Migration, Klagen, Leiden – und die Kraft, die daraus erwachsen kann.

Isabella Guanzini: Freude - der Kern von Revolte
Darf man bei dieser Nachrichtenlage ein Gespräch über die Freude senden?, haben wir uns gefragt. Ja! Würde die Philosophin und Theologin Isabella Guanzini antworten. Sie begreift Freude nicht als privates Erlebnis, sondern als tiefe Resonanz, in der wir wahrnehmen, wie die Welt sein soll und wie sie gerade nicht ist – und somit als der Kern jeder Revolte. Und weil traurige und melancholische Menschen leichter zu lenken sind, ist die Freude auch ein politischer Akt.

Christian Lehnert: Ein stilles Komma in der Luft
Unvermischt und ungetrennt sind bei Christian Lehnert die Dichtung und das Sprechen über Gott als Theologe. Beide bewegen sich zwischen Sagbarem und Unsagbarem, zwischen selber losgehen und kommen lassen. Deswegen begrüßt uns Lehnert zum Gespräch mit dem Satz: „Ich habe etwas mitgebracht, aber das Mitgebrachte ist irgendwie nicht vorhanden.“

Ludwig Böhme: Schläft ein Lied in allen Dingen
Ludwig Böhme ist Sänger und Dirigent. Von klein auf singt er im Gottesdienst – als Chorknabe des weltberühmten Thomanerchors, später gründet er das Vokalensemble CALMUS: „Es geschieht, es kommt der richtige Moment, wann das Stück losgeht.“ In diesem Gespräch geht es um die Stille und ums Anfangen, ums Singen und um das Neue, das erst aus der Wiederholung entsteht.

Susanne Schneider: Eine Ahnung von Fülle
„Ich habe eine Ahnung von einer Fülle, von einer Gerechtigkeit, von einer Würde, und aus der lebe ich… und ich kann gar nicht anders, als dass ich wünsche, dass die anderen auch diese Erfahrung machen.“ Wie diese Ahnung sie ermutigt und in Gang setzt, schilderte die Ordensfrau Susanne Schneider, als wir sie in München zum Gespräch besucht haben: „Es ist immer ein Wagnis. Aber wenn ich oft genug in der Luft gelaufen bin, dann traue ich dem immer mehr.“

Philip Geister: Der Preis des Christseins
„Was fürchtest du, Herodes? Christus kommt und will dir doch nichts nehmen.“ Diese Frage aus dem Stundengebet sprach Philip Geister an. Dabei ist die Angst des Kindermörders von Betlehem doch völlig nachvollziehbar. Kann der Retter der Welt retten, ohne die Mächtigen vom Thron zu stürzen? Und tut der Sturz vom Thron nicht weh? „Du musst, um frei zu sein, um das eine zu machen, das andere einfach lassen. Aber das ist durchaus eine befreiende Erfahrung.“

Thomas Hirsch-Hüffel: Der Fremdenführer führt mich im Geheimnis umher
Thomas Hirsch-Hüffell hat es erlebt: „… ich stehe da und das Ganze, also das All, das Ganze und ich sind dasselbe. Und gleichzeitig komplett unterschieden. Also das Ganze ist das Ganze und ich bin mehr Ich denn je.“ Seither versucht er Räume zu schaffen, in denen man dem Geheimnis begegnet. Wenn das Ganze, nämlich Gott, also der ganze Kosmos, auf einem einzelnen Gesicht erscheinen kann – dann ist das möglich. Oder?

Holger Zaborowski: Eine mußevolle Stunde
„Das war eine mußevolle Stunde“, sagte der Philosoph und Theologe Holger Zaborowski am Ende unseres letzten Gesprächs der ersten Staffel. Dabei erscheint Muße erstmal erklärungsbedürftig. In der Muße sind wir selbstvergessen und deshalb ganz da. Wie konnte es geschehen, dass diesen Begriff immer weniger Menschen verstehen?

Stefanie Rabe: Wiederholen ist sich wieder holen: Die Zeit
Zeit ist immer gleich und immer anders. Wo ich in meiner Zeit stehe, weiß ich nicht. Durch die Seitentür werden wir ins Theater des Lebens geschubst, das Stück hat schon lange begonnen und wir müssen uns zusammenreimen, was vorher war und worum es geht. An Ostern, in der Passionszeit oder an Weihnachten binden wir vergangene Zeit, Gegenwart und Zukunft ganz selbstverständlich zusammen, wenn wir sie uns wieder holen. Was ist Zeit?, fragt Stefanie Rabe, Zeiten-Forscherin und Pfarrerin.

Ralf Wüstenberg: Dem Schmerz der Vergangenheit Leben abringen
10. Februar 1990: Während in Europa der Eiserne Vorhang gefallen ist, hält Nelson Mandela seine erste große Rede seit seiner Freilassung vor mehr als 100.000 Zuhörern. Der Weg Südafrikas in eine neue Zukunft ohne Apartheid beginnt. Die Zukunft darf, darüber ist man sich einig, nicht am Leid der Opfer vorbeiführen. Der Theologe Ralf Wüstenberg begegnet dem schmerzhaften Prozess der Wahrheits- und Versöhnungskommission 1996. Und der lässt ihn nicht mehr los.

Seabstian Maly: Drei Stufen Leben
In einem linken Antiquariat in München entdeckt Sebastian Maly zu Studienzeiten ein Buch. Darauf steht: Der Wilde Mann. Es handelt von drei Stufen Leben. Erste Stufe: Höher, weiter, schneller – die Welt erobern. Zweite Stufe: Demütig seinen Dienst annehmen, reiche Frucht bringen. Dritte Stufe: Seinen Tod verschenken. Wie soll das gehen? Sebastian Maly SJ, Philosoph und Theologe, gibt uns Einblicke.

Edward Fröhling: Manchmal muss man dieser Esel sein
Ein Esel hält plötzlich an und geht keinen Schritt mehr weiter. Für diesen Widerstand wendet er enorme Kraft auf. Edward Fröhling ist Ordensmann und systematischer Theologe. Er kennt diese Momente, die Kraft, die aus der scheinbaren Ausweglosigkeit erwächst und aus der Erkenntnis, das eigene Leben nicht vollständig kontrollieren zu können. Er erzählt von Menschen, die sich dem Satz „Da ist nichts zu machen.“ entgegenstellen.

Jasmin El-Manhy: „Vielleicht bin der Punkt auch einfach ich.“
Das sagt Jasmin El-Manhy. Die evangelische Pfarrerin erzählt, wie sie aus einem muslimisch-katholischen Elternhaus mit all dessen Geschichten ihre eigene Stimme fand. Sie fragt sich, was die zweitausend Jahre alten Geschichten der Bibel mit ihr heute zu tun haben und warum sie mehr als Geschehnisse sind. Diese Geschichten erzählt sie weiter.